Meerrettich − köstliches Antibiotikum aus der Natur

Meerrettich zählt zu den schärfsten Gewürzpflanzen. Vielen treibt er die Tränen in die Augen, aber die Gründe dafür sind erstaunlich gesund. Zudem ist das Wurzelgemüse enorm reich an lebenswichtigen Nährstoffen und Vitaminen. In der Küche ist er auf jeden Fall eine genussvolle Bereicherung mit ausgezeichneter Phytomedizin.

Eine Staude voller Vitalstoffe

Beheimatet ist der Meerrettich im Süden und Osten Europas, wo er bekanntlich auch „Kren“ genannt wird. Die winterharte Staude kann oberirdisch bis zu 1,20 m hohe Blätter austreiben; die scharfe Pfahlwurzel erreicht nicht selten eine Länge von bis zu 60 cm. Eine bedeutende Rolle spielt die Pflanze nicht nur als vielseitiges Gemüse und Gewürz, sondern auch als herausragende Heilpflanze.

Heute wird sie in ganz Europa, in Asien und Nordamerika kultiviert, jedoch kaum noch in Deutschland. Traditionell verleiht Meerrettich als Beilage Fisch- und Fleischgerichten eine besondere Note. Seine außergewöhnlichen Geschmacksnuancen machen ihn aber zunehmend interessanter für neue Rezeptkreationen. Dabei ist Meerrettich nicht einfach nur ein Scharfmacher, seine Nährwerte beeindrucken ebenso wie seine Heilwirkung.

Meerrettich schlägt Orange im Vitamin C-Vergleich

Kaum zu glauben, aber wahr: Meerrettich enthält doppelt so viel Vitamin C wie Orangen oder Zitronen. Der für den Menschen lebensnotwendige Vitalstoff sorgt für eine gut funktionierende Immunabwehr, ist an der für ein gesundes Gewebe wichtigen Kollagenbildung beteiligt und gehört zu den maßgeblichen Regulatoren des Energiestoffwechsels sowie des Nervensystems. Die Powerwurzel steuert außerdem noch eine nicht unerhebliche Menge der Vitamine B1, B2 und B6 bei, sowie die wichtigen Mineralstoffe Kalium, Calcium und Phosphor.

Von Natur aus hat Meerrettich kaum Kalorien. 10 Gramm, das entspricht circa einem Esslöffel, schlagen mit gerade mal 6 kcal zu Buche. Meerrettich kann bei der Zubereitung von Speisen sehr vielseitig eingesetzt werden; im Übrigen auch die Blätter der Staude. Beachtliches leisten die enthaltenen scharfen Komponenten in der Wurzel, die sogenannten Senföle. Sie lassen beim Zerschneiden zwar Augen und Nase laufen, im Körper wirken sie jedoch durchblutungsfördernd, appetitanregend und wohltuend für die Verdauung. Doch sie können noch weitaus mehr für unsere Gesundheit tun.

Gesundheitliche Vorteile von Meerrettich

Meerrettich ist aufgrund seiner Inhaltsstoffe bereits seit der Antike als Heilmittel bekannt. Zu den zahlreichen gesundheitsfördernden Stoffen zählen vor allem die bereits genannten Senföle, die nachweislich antibiotisch wirken. Die flüchtigen Senföle entstehen aus ihren Vorstufen, den Glucosinolaten, durch enzymatischen Abbau bei Verarbeitung der Wurzel. Sie sind trotz ihrer heilenden Kräfte stark reizend für Mund, Nase, Rachen, Magen, Darm und Harnwege. Empfindlichen Menschen, Kindern oder Schwangeren wird daher geraten, Meerrettich mit Vorsicht oder sogar nur nach ärztlicher Rücksprache zu genießen.

Studien bestätigen andererseits die herausragende antibakterielle Wirkung von Senfölen gegen zahlreiche − teils multiresistente − Bakterien, ohne dass eine Resistenzbildung oder eine Schädigung der Darmflora beobachtet wurde. Sehr erfolgreich und quasi nebenwirkungsfrei sind beispielsweise Behandlungen von Harnwegsinfektionen und Blasenentzündungen, dank der ausgeprägten antibiotischen Eigenschaften von Meerrettich. Nicht umsonst trägt das Wurzelgemüse auch den Beinamen „Pflanzliches Penicillin“. Erkältungskrankheiten aber auch Pilzinfektionen sind mit Meerrettich ebenfalls gut therapierbar, denn der Wurzel konnte weiterhin eine effektive antivirale und fungistatische Wirkung nachgewiesen werden.

Die für den würzigen Geschmack verantwortlichen Glucosinolatverbindungen, die sich nach Zellverletzungen (wie Zerkleinern oder Zerreiben) zu den typisch beißenden Senfölen entwickeln, sind als Phytomedizin im Kampf gegen Krebs bestätigt. Studien zeigten, dass Meerrettich das Absterben von Tumorzellen hervorrufen und die Krebsentstehung durch freie Radikale gehemmt werden kann.

Senföle schützen vor schweren Erkrankungen

Neben den scharfen Senfölen enthält die Wurzel noch eine Reihe antioxidativer Pflanzenstoffe, die eine tragende Rolle bei der Gesunderhaltung des menschlichen Körpers spielen. Sie neutralisieren krankmachende freie Radikale. Die im Meerrettich enthaltenen Flavonide wie beispielsweise Quercetin, gelten als wirksamer Zell- und Herz-Kreislaufschutz. Einigen der in Meerrettich enthaltenen Antioxidantien konnte sogar ein antimutagener Effekt nachgewiesen werden. Das heißt, sie schützen Teile des Körpers vor Erbgutveränderungen, die durch äußere Einflüsse wie UV-Strahlung ausgelöst werden können und für schwerwiegende Erkrankungen verantwortlich sind.

Superfood für Magen und Darm

Die vielen Vitalstoffe im Meerrettich sind nicht nur beeindruckend heilsam, sie kurbeln auch den Stoffwechsel und die Fettverbrennung an, weshalb Meerrettich ein beliebtes Mittel zur Unterstützung von Diäten ist. Gleichermaßen enthält das Superfood spezielle Enzyme und Ballaststoffe, welche das gesamte Verdauungssystem entspannen und harmonisieren. Seine volle Wirkung entfaltet Meerrettich, wenn er direkt nach der Zubereitung verkonsumiert wird. Die wichtigen aber überaus flüchtigen Inhaltsstoffe sind dann noch in beinahe vollem Umfang enthalten.

Gelagert werden kann frischer Meerrettich am Stück dagegen ausgesprochen lange. Im Kühlschrank oder kühlen Keller hält er sich bis zu 6 Wochen. Meerrettich schmeckt gerieben und verfeinert als Dip, gibt aber auch Panaden oder Soßen das gewisse Etwas. Wer Meerrettich nicht gewohnt ist oder empfindlich ist, sollte mit kleinen Mengen bei der Essenszubereitung beginnen. Personen mit bestimmten Vorerkrankungen wie Geschwüre oder Entzündungen im Magen-Darm-Trakt wird sogar empfohlen ganz auf Meerrettich zu verzichten, um weitere Reizungen zu verhindern und keine Verschlimmerung herbeizuführen.

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